Energie-Glossar · B
BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft)
Der BDEW ist der größte Branchenverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft mit mehreren tausend Mitgliedsunternehmen aus Strom, Wärme, Gas, erneuerbaren Energien, Wasserstoff, Elektromobilität sowie Trinkwasser- und Abwasserwirtschaft. Er vertritt die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Branche gegenüber Bund, Ländern und EU und veröffentlicht praxisnahe Anwendungshilfen zu den von der Bundesnetzagentur festgelegten Marktprozessen.
Die wichtigsten Informationen zu BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft)
- Größter Interessenverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft, laut BDEW mit mehreren tausend Mitgliedsunternehmen aller Sparten und Größen
- Mitgliedsunternehmen repräsentieren laut BDEW einen Großteil des deutschen Strom- und Gasabsatzes sowie der Trinkwasserversorgung
- Politische Interessenvertretung gegenüber Bundesregierung, Bundesländern, europäischen und internationalen Institutionen
- Veröffentlicht Anwendungshilfen und Leitfäden zu Marktkommunikationsprozessen wie GPKE, MaBiS und WiM Strom
- Ist kein staatlicher Regulierer – verbindliche Festlegungen zur Marktkommunikation trifft die Bundesnetzagentur
Was ist der BDEW und wen vertritt er?
Der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. ist der zentrale Interessenverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft. Mitglied werden können Unternehmen aus den Bereichen Strom, Fernwärme, Erdgas, erneuerbare Energien, Wasserstoff, Elektromobilität und Energienetze ebenso wie Wasserversorger und Abwasserentsorger. Das Spektrum reicht von kommunalen Stadtwerken über regionale Verteilnetzbetreiber bis zu bundesweit tätigen Energiekonzernen. Laut Selbstauskunft des Verbands repräsentieren seine Mitgliedsunternehmen einen sehr hohen Anteil des deutschen Strom- und Erdgasabsatzes sowie einen erheblichen Teil der Trinkwasserversorgung.
Zweck des Verbands ist es, für eine zuverlässige, wirtschaftliche, umweltverträgliche und wettbewerbsfähige Energie- und Wasserversorgung sowie Abwasserentsorgung einzutreten und die gemeinsamen wie spartenspezifischen Interessen seiner Mitglieder in politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und technisch-wirtschaftlichen Fragen zu bündeln. Der BDEW positioniert sich dabei unter anderem zu einem marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen der Energiewirtschaft, zur Regulierung der Strom- und Gasnetze sowie zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und der Wasserstoffwirtschaft.
Welche Rolle spielt der BDEW bei den Marktprozessen der Energiewirtschaft?
Die verbindlichen Regeln für die Marktkommunikation im Energiesektor – etwa GPKE (Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität), WiM Strom (Wechselprozesse im Messwesen) und MaBiS (Marktregeln für die Bilanzkreisabrechnung Strom) – legt rechtlich verbindlich die Bundesnetzagentur im Wege von Festlegungen fest, nicht der BDEW selbst. Der Verband spielt hier jedoch eine wichtige unterstützende Rolle: Er entwickelt gemeinsam mit seinen Mitgliedern praxisnahe Anwendungshilfen, Aktivitätsdiagramme und Umsetzungsfragenkataloge, die den Marktakteuren die praktische Umsetzung der behördlichen Vorgaben erleichtern.
Diese BDEW-Dokumente sind zwar rechtlich nicht bindend, in der Praxis aber ein wichtiger Bezugspunkt für Netzbetreiber, Lieferanten, Messstellenbetreiber und Bilanzkreisverantwortliche, weil sie Auslegungsfragen zu den EDIFACT-Nachrichtenformaten der Marktkommunikation, zu Fristen und zu Datenaustauschprozessen klären, bevor Streitfälle vor der Bundesnetzagentur landen. Der BDEW koordiniert damit einen erheblichen Teil der branchenweiten Standardisierungsarbeit, ohne selbst hoheitliche Anordnungsbefugnisse zu besitzen.
Wie unterscheidet sich der BDEW von der Bundesnetzagentur?
Der BDEW ist ein privatrechtlicher Verein und vertritt die Interessen seiner Mitgliedsunternehmen – er ist also Interessenvertreter der Branche. Die Bundesnetzagentur ist dagegen eine staatliche Regulierungsbehörde mit hoheitlichen Befugnissen, die Netzentgelte genehmigt, Marktprozesse per Festlegung verbindlich vorschreibt und Aufsicht über Netzbetreiber und teils auch Lieferanten führt. Beide Institutionen stehen im ständigen fachlichen Austausch: Der BDEW bringt in Konsultationsverfahren die Perspektive der Unternehmen ein, die Bundesnetzagentur trifft am Ende die verbindliche Entscheidung.
Warum ist der BDEW für Verbraucher, Hausverwaltungen und Unternehmen relevant?
Die meisten Verbraucher, Hausverwaltungen und mittelständischen Unternehmen haben keinen direkten Kontakt zum BDEW – seine Arbeit wirkt indirekt über die Prozesse, die Netzbetreiber und Lieferanten anwenden. Wenn Lieferantenwechsel, Zählerablesungen oder Rechnungskorrekturen ungewöhnlich reibungslos oder auffällig fehleranfällig laufen, liegt das häufig an der Qualität der zugrunde liegenden Marktkommunikation – ein Feld, das der BDEW mit seinen Anwendungshilfen wesentlich mitprägt. Wer als Verwalter mit vielen Zählpunkten regelmäßig Klärfälle hat, findet in den öffentlich zugänglichen BDEW-Leitfäden oft eine verständlichere Erklärung der Abläufe als in den technischen Festlegungstexten der Bundesnetzagentur selbst.
Häufige Fragen zu BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft)
Ist der BDEW eine Behörde?
Nein. Der BDEW ist ein eingetragener Verein und Interessenverband der Energie- und Wasserwirtschaft, keine staatliche Institution. Verbindliche Regulierungsentscheidungen für Netzbetreiber und Lieferanten trifft die Bundesnetzagentur.
Legt der BDEW die Regeln für Lieferantenwechsel und Marktkommunikation fest?
Nicht rechtlich verbindlich. Die verbindlichen Festlegungen zu Prozessen wie GPKE, WiM Strom und MaBiS trifft die Bundesnetzagentur. Der BDEW erarbeitet ergänzend Anwendungshilfen, die deren praktische Umsetzung in der Branche erleichtern.
Kann ich mich als Verbraucher oder Hausverwaltung beim BDEW beschweren?
Der BDEW ist kein Ansprechpartner für individuelle Streitfälle mit Energieversorgern. Bei Konflikten mit Lieferanten oder Netzbetreibern sind die Schlichtungsstelle Energie oder die Bundesnetzagentur die richtigen Adressen.
Welche Unternehmen können BDEW-Mitglied werden?
Mitglied werden können Unternehmen aus Strom-, Wärme-, Gas-, Wasserstoff- und Elektromobilitätswirtschaft sowie aus der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung – von kommunalen Stadtwerken bis zu bundesweit tätigen Energiekonzernen.