Energie-Glossar · C
CCS (Carbon Capture and Storage)
CCS (Carbon Capture and Storage) bezeichnet die Abscheidung von Kohlendioxid aus Industrieprozessen oder Kraftwerksabgasen und dessen dauerhafte Speicherung in tiefen geologischen Formationen. In Deutschland schafft die Ende November 2025 in Kraft getretene Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes erstmals einen Rechtsrahmen für die CO2-Speicherung im kommerziellen, industriellen Maßstab.
Belegt durch:umweltbundesamt.de 1
CCS vs. CCU
CCS (Storage)
CCU (Utilization)
Die wichtigsten Informationen zu CCS (Carbon Capture and Storage)
- Zwei Schritte: Abscheidung des CO2 an der Emissionsquelle, anschließend Transport und dauerhafte Speicherung in geologischen Formationen
- Rechtsgrundlage in Deutschland: Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG), Novelle Ende November 2025 in Kraft getreten
- Vor der Novelle war CO2-Speicherung in Deutschland nur zu Forschungs- und Erprobungszwecken zulässig
- Speicherung ist auf Festlandsockel und ausschließliche Wirtschaftszone beschränkt, also im Wesentlichen unter der Nordsee
- Abzugrenzen von CCU (Carbon Capture and Utilization), bei dem abgeschiedenes CO2 stofflich weiterverwendet statt dauerhaft gespeichert wird
Was regelt die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes?
Die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG), die Ende November 2025 in Kraft getreten ist, erlaubt erstmals den Aufbau von CO2-Speichern in Deutschland im kommerziellen, industriellen Maßstab. Zuvor beschränkte das Gesetz die CO2-Speicherung auf Forschungs-, Erprobungs- und Demonstrationsvorhaben.
Die Novelle schafft zudem erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Transport von Kohlendioxid über Pipelines. Die Speicherung selbst bleibt auf den Festlandsockel und die ausschließliche Wirtschaftszone beschränkt – praktisch also auf geologische Formationen unter der Nordsee –, während eine Speicherung an Land in Deutschland politisch umstritten geblieben ist.
Wie unterscheidet sich CCS von CCU?
CCS und CCU teilen sich den ersten Schritt – die Abscheidung von CO2 an der Emissionsquelle –, unterscheiden sich aber darin, was danach mit dem Kohlendioxid geschieht. Bei CCS wird das abgeschiedene CO2 dauerhaft in geologischen Formationen gespeichert und damit der Atmosphäre entzogen. Bei CCU (Carbon Capture and Utilization) wird das CO2 stattdessen stofflich weiterverwendet, etwa zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe oder Chemikalien.
Ob eine CCU-Anwendung tatsächlich eine dauerhafte Klimaschutzwirkung entfaltet, hängt davon ab, ob das CO2 langfristig gebunden bleibt oder – wie bei vielen synthetischen Kraftstoffen – bei der späteren Nutzung wieder freigesetzt wird. Deshalb wird CCU regulatorisch anders behandelt als die dauerhafte Speicherung unter CCS.
Was bedeutet CCS für energieintensive Unternehmen im EU-Emissionshandel?
Für energieintensive Branchen wie die Zement-, Kalk- und Stahlindustrie ist CCS relevant, weil bei ihnen ein Teil der CO2-Emissionen prozessbedingt entsteht und sich auch mit vollständig dekarbonisierter Energieversorgung nicht vermeiden lässt – etwa die Freisetzung von CO2 beim Brennen von Kalkstein in der Zementherstellung. Für diese Unternehmen ist CCS neben Effizienzmaßnahmen eine der wenigen Optionen, um die eigenen Emissionen und damit den Bedarf an Zertifikaten im EU-Emissionshandel (EU-ETS) mittelfristig zu senken.
Ob sich CCS für ein einzelnes Unternehmen wirtschaftlich lohnt, hängt maßgeblich vom Verhältnis zwischen den Kosten für Abscheidung, Transport und Speicherung auf der einen Seite und dem Preis für EU-ETS-Zertifikate auf der anderen Seite ab. Da Aufbau und Genehmigung von Transport- und Speicherinfrastruktur mehrere Jahre in Anspruch nehmen, spielt CCS für die meisten betroffenen Unternehmen aktuell eher eine strategische als eine kurzfristig wirksame Rolle.
Für die betriebliche Planung heißt das: Unternehmen, deren Emissionen prozessbedingt kaum weiter senkbar sind, sollten CCS als mittel- bis langfristige Option in ihre Klimastrategie einbeziehen, ohne kurzfristig verfügbare Kapazitäten vorauszusetzen. Solange Transport- und Speicherinfrastruktur in Deutschland im Aufbau ist, bleibt die Zertifikatsbeschaffung im EU-ETS der unmittelbar wirksamere Hebel.
Wie ist der Stand der öffentlichen Debatte?
CCS bleibt in Deutschland politisch und gesellschaftlich umstritten, insbesondere mit Blick auf eine mögliche Speicherung an Land, Haftungsfragen bei Leckagen und die grundsätzliche Frage, ob CCS Investitionen in echte Emissionsvermeidung verzögert. Während einzelne Speicherprojekte in Nachbarländern wie Dänemark, Norwegen und den Niederlanden bereits im Aufbau sind, gilt der Zeithorizont für eine deutsche Offshore-Speicherung unter der Nordsee als deutlich länger, da Transport- und Speicherinfrastruktur erst noch errichtet werden muss.
- Befürworter verweisen auf fehlende technische Alternativen für Prozessemissionen in Zement- und Kalkindustrie.
- Kritiker warnen vor Risiken der Offshore-Speicherung und einer möglichen Verzögerung des Ausstiegs aus fossilen Prozessen.
Quellen & Verweise
- Umweltbundesamt — Carbon Capture and Storage | Umweltbundesamt. umweltbundesamt.de · Abruf
Häufige Fragen zu CCS (Carbon Capture and Storage)
Ist CO2-Speicherung in Deutschland jetzt uneingeschränkt erlaubt?
Nein. Die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes erlaubt CCS im kommerziellen Maßstab, beschränkt die Speicherung aber auf den Festlandsockel und die ausschließliche Wirtschaftszone, also im Wesentlichen auf Formationen unter der Nordsee.
Was ist der Unterschied zwischen CCS und CCU?
CCS speichert abgeschiedenes CO2 dauerhaft in geologischen Formationen, CCU verwendet es stofflich weiter, etwa zur Herstellung von Chemikalien oder synthetischen Kraftstoffen. Nur CCS führt zu einer dauerhaften Entnahme aus der Atmosphäre.
Warum ist CCS besonders für die Zementindustrie relevant?
Weil beim Brennen von Kalkstein prozessbedingt CO2 freigesetzt wird, das sich auch mit vollständig erneuerbarer Energieversorgung nicht vermeiden lässt. Für solche Prozessemissionen gilt CCS derzeit als eine der wenigen technischen Optionen.
Ab wann können Unternehmen in Deutschland CO2 tatsächlich einlagern lassen?
Die Novelle schafft den rechtlichen Rahmen, der Aufbau der notwendigen Transport- und Speicherinfrastruktur benötigt aber noch mehrere Jahre. Konkrete Speicherprojekte laufen bislang vor allem in Nachbarländern wie Dänemark, Norwegen und den Niederlanden an.
