Energie-Glossar · E

Entry-Exit-System

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 2 Min.

Das Entry-Exit-System ist das regulatorische Modell für den Gasnetzzugang, das Einspeisepunkte (Entry) und Ausspeisepunkte (Exit) voneinander entkoppelt. Statt eines physischen Transportpfads buchen Händler separate Kapazitäten an Ein- und Ausspeisepunkten.

Entry-Exit-System: Ein- vs. Ausspeisung

Entry (Einspeisung)

BeispieleGrenzübergänge, LNG-Terminals
WeitereSpeicher, Biogasanlagen

Exit (Ausspeisung)

BeispieleHaushalte, Gewerbe, Industrie
WeitereKraftwerke, Speicher

Die wichtigsten Informationen zu Entry-Exit-System

  • Einspeisung und Ausspeisung werden getrennt gebucht – ein durchgehender Transportpfad ist nicht nötig
  • Das Netz wirkt als virtuelle Drehscheibe; gehandelt wird am Virtuellen Handelspunkt des Marktgebiets
  • Deutschland bildet seit Oktober 2021 mit Trading Hub Europe (THE) ein einheitliches Marktgebiet
  • Grenzüberschreitende Kapazitäten werden in Auktionen über die EU-Buchungsplattform PRISMA vergeben
  • Das System ist die Grundlage des Gaswettbewerbs: Lieferanten können bundesweit ohne eigene Infrastruktur anbieten

Wie funktioniert der Gasnetzzugang im Entry-Exit-System?

Im Entry-Exit-System buchen Gashändler zwei voneinander unabhängige Kapazitäten: Entry-Kapazität an einem Einspeisepunkt – etwa einem LNG-Terminal, einem Grenzübergangspunkt oder einem Gasspeicher – und Exit-Kapazität an den Ausspeisepunkten, an denen das Gas das Marktgebiet verlässt oder verbraucht wird. Ein konkreter physischer Transportweg zwischen beiden Punkten muss nicht reserviert werden. Das Netz des Marktgebiets fungiert stattdessen als virtuelle Drehscheibe: Jedes eingespeiste Gas kann bilanzierungstechnisch an jedem Ausspeisepunkt entnommen werden.

Diese Entkopplung ist der entscheidende Unterschied zu älteren Punkt-zu-Punkt-Modellen, bei denen Transportkunden einen durchgehenden Pfad buchen mussten. Sie senkt die Eintrittshürden für Händler erheblich, weil der Kapazitätsbedarf planbar wird und sich Beschaffung und Absatz unabhängig voneinander optimieren lassen.

Welche Rolle spielen Trading Hub Europe und der Virtuelle Handelspunkt?

In Deutschland besteht seit Oktober 2021 mit der Trading Hub Europe (THE) ein einheitliches Gasmarktgebiet, entstanden aus der Fusion der beiden früheren Marktgebiete NetConnect Germany und Gaspool. Alle Entry- und Exit-Punkte in Deutschland gehören seither zu einer gemeinsamen Handelszone. Gehandelt wird am Virtuellen Handelspunkt (VHP) dieses Marktgebiets – einem bilanziellen, nicht physischen Ort, an dem Gasmengen zwischen Bilanzkreisen übertragen werden.

Den physischen Ausgleich des Marktgebiets verantwortet der Marktgebietsverantwortliche: Weichen Einspeisungen und Ausspeisungen in Summe voneinander ab, beschafft er Regelenergie, um das System stabil zu halten. Grenzüberschreitende Kapazitäten werden nach den EU-Netzkodizes in standardisierten Auktionen über die europäische Buchungsplattform PRISMA vergeben – ein einheitlicher Mechanismus, der den Kapazitätshandel zwischen den europäischen Marktgebieten transparent macht.

Was bedeutet das System für Gaskunden und den Wettbewerb?

Das Entry-Exit-System ist die regulatorische Grundlage des europäischen Gasbinnenmarkts und der eigentliche Motor des Lieferantenwettbewerbs. Weil Gaseinkauf und Transportweg entkoppelt sind, kann jeder Lieferant bundesweit Kunden beliefern, ohne eigene Pipelines oder Speicher zu besitzen – er kauft Gas am Virtuellen Handelspunkt und meldet die Belieferung der jeweiligen Ausspeisestelle an. Für Endkunden bedeutet das eine breite Anbieterauswahl unabhängig vom Standort.

Gewerbe- und Wohnungswirtschaftskunden profitieren besonders bei Ausschreibungen: Da praktisch jeder im Marktgebiet aktive Lieferant jede Abnahmestelle bedienen kann, konkurrieren viele Anbieter um dieselben Portfolien. Die Kosten der gebuchten Entry- und Exit-Kapazitäten fließen über die regulierten Netzentgelte in die Gasrechnung ein – sie sind Teil des Preises, aber kein Verhandlungsgegenstand zwischen Kunde und Lieferant.

Häufige Fragen zu Entry-Exit-System

Muss mein Gaslieferant eigene Leitungen besitzen, um mich zu beliefern?

Nein. Im Entry-Exit-System kauft der Lieferant Gas am Virtuellen Handelspunkt und bucht lediglich die nötigen Kapazitäten. Die physische Infrastruktur betreiben die regulierten Netzbetreiber, die jeden Lieferanten diskriminierungsfrei durchleiten müssen.

Was hat sich durch die Zusammenlegung zu Trading Hub Europe geändert?

Seit Oktober 2021 gibt es statt zwei deutschen Marktgebieten (NetConnect Germany und Gaspool) nur noch eines. Händler benötigen keine Kapazitäten mehr an der früheren internen Marktgebietsgrenze, die Liquidität konzentriert sich an einem Handelspunkt, und jeder Exit-Punkt in Deutschland kann gegen denselben VHP beliefert werden.

Wie werden Kapazitäten an Grenzübergangspunkten vergeben?

Grenzüberschreitende Kapazitäten werden nach den EU-Netzkodizes in Auktionen über die Buchungsplattform PRISMA versteigert. Es gibt feste und unterbrechbare Produkte mit unterschiedlichen Laufzeiten – von Jahres- bis zu Tagesprodukten. Die Entgelte unterliegen der Regulierung.

Gilt das Entry-Exit-System auch für Strom?

Nein, es ist ein spezifisches Modell des Gasmarkts. Im Strommarkt gibt es kein Kapazitätsbuchungssystem für einzelne Netzpunkte innerhalb der Gebotszone; dort regeln Bilanzkreise, Fahrpläne und das Engpassmanagement der Netzbetreiber den Zugang.

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