Energie-Glossar · L
Lastprofil
Ein Lastprofil ist ein standardisierter typischer Verlauf des Energieverbrauchs über Tages-, Wochen- und Jahreszyklen für Kunden ohne Lastgangmessung. Es wird in Kategorien wie H0 (Haushalt) oder G0 (Gewerbe allgemein) eingeteilt und ersetzt fehlende Messtechnik durch statistische Näherungswerte.
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Lastprofil · SLP gegenüber RLM
SLP – Standardlastprofil
RLM – registrierende Leistungsmessung
Die wichtigsten Informationen zu Lastprofil
- Rechtsgrundlage bei Strom: Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV), Bilanzierung nach Standardlastprofilen (SLP) unterhalb der RLM-Grenze
- Wichtige Profile: H0 (Haushalt), G0 (Gewerbe), L0 (Landwirtschaft), dazu Profile für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen
- Gasprofile sind temperaturabhängig, weil der Verbrauch stark vom Heizbedarf abhängt
- Abweichungen gleicht das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant aus
- Smart-Meter-Rollout ersetzt Profile schrittweise durch echte Viertelstundenwerte
Welche Standardlastprofile gibt es?
Standardlastprofile bilden typische Kundengruppen ab: H0 steht für Haushalte, G0 für allgemeines Gewerbe, L0 für Landwirtschaft; daneben existieren weitere Profile, etwa für Gewerbe mit besonderen Betriebszeiten oder für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen. Rechtsgrundlage für Strom ist die Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV), die für Kunden unterhalb der RLM-Grenze eine Bilanzierung nach Standardlastprofilen (SLP) vorsieht.
Bei Gas sind die Profile zusätzlich temperaturabhängig, weil der Verbrauch stark vom Heizbedarf abhängt: Das Profil rechnet die erwartete Tagestemperatur in einen erwarteten Tagesverbrauch um. Ein kalter Januartag erzeugt so ein völlig anderes Profil als ein milder Oktobertag – bei Strom sind die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten deutlich geringer.
Wie funktioniert die Bilanzierung mit Standardlastprofilen?
Das Profil ersetzt die fehlende Messung: Energieversorger beschaffen Strom auf Basis der aggregierten Lastprofile ihrer SLP-Kundschaft – sie wissen zwar nicht, wann der einzelne Haushalt kocht, aber das statistische Mittel über tausende Kunden ist gut prognostizierbar. Für die Bilanzkreisabrechnung gilt der Profilverlauf als Verbrauch.
Die Differenz zwischen prognostiziertem Profil und tatsächlichem Jahresverbrauch wird über das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant ausgeglichen: Hat die Kundengruppe insgesamt mehr verbraucht als bilanziert, kauft der Netzbetreiber die Differenz nach und rechnet sie mit dem Lieferanten ab – und umgekehrt. Für den Endkunden bleibt davon nur die normale Jahresabrechnung nach Zählerstand sichtbar.
Was ändert der Smart-Meter-Rollout am Profilsystem?
Standardlastprofile ermöglichen die Versorgung von Millionen kleiner Verbraucher ohne individuelle Messung und sind ein Fundament des deutschen Bilanzierungssystems – aber ihre Bedeutung nimmt ab. Mit dem Smart-Meter-Rollout verschiebt sich das System schrittweise: Je mehr Zählpunkte echte Viertelstundenwerte liefern, desto genauer werden Bilanzierung und Abrechnung.
Das hat praktische Folgen: Erst mit echten Messwerten lassen sich dynamische Tarife anbieten, die den Verbrauch stundenscharf mit Börsenpreisen bepreisen. Wer heute über ein intelligentes Messsystem verfügt, kann sein tatsächliches Verbrauchsverhalten vermarkten lassen, statt über ein statistisches Durchschnittsprofil abgerechnet zu werden – ein Vorteil vor allem für Kunden, die Verbrauch gezielt in günstige Stunden verschieben können.
Quellen & Verweise
- BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft — Standardlastprofile Strom – Grundlagen & Anwendung. bdew.de · Abruf
Häufige Fragen zu Lastprofil
Welches Lastprofil habe ich?
Das legt der Netzbetreiber anhand Ihrer Kundengruppe fest – Haushalte erhalten in der Regel H0, allgemeines Gewerbe G0. Das zugeordnete Profil steht meist auf der Netznutzungsabrechnung oder ist beim Netzbetreiber zu erfragen.
Kann ich vom Standardlastprofil zur echten Messung wechseln?
Ja – mit dem Einbau eines intelligenten Messsystems liefern auch kleinere Abnahmestellen Viertelstundenwerte. Das ist Voraussetzung für dynamische Tarife und lohnt sich vor allem, wenn Sie Verbrauch flexibel verschieben können, etwa mit Wärmepumpe oder E-Auto.
Was passiert, wenn mein Verbrauch stark vom Profil abweicht?
Für Ihre Rechnung nichts – abgerechnet wird immer der tatsächliche Zählerstand. Die Abweichung zwischen Profil und Realität wird im Hintergrund über das Mehr-/Mindermengenverfahren zwischen Netzbetreiber und Lieferant ausgeglichen.
Warum sind Gaslastprofile temperaturabhängig?
Weil der Gasverbrauch überwiegend vom Heizen bestimmt wird: Sinkt die Außentemperatur, steigt der Verbrauch fast aller Kunden gleichzeitig. Die Profile rechnen deshalb die prognostizierte Tagestemperatur in den erwarteten Verbrauch um.
