Energie-Glossar · L
LCOE (Levelized Cost of Energy)
LCOE (Levelized Cost of Energy, Stromgestehungskosten) sind die durchschnittlichen Stromerzeugungskosten einer Anlage über ihre gesamte Lebensdauer, ausgedrückt in €/MWh bzw. ct/kWh. Sie umfassen Investitions-, Betriebs-, Wartungs-, Brennstoff- und Kapitalkosten und dienen als wichtigster Vergleichsmaßstab zwischen Erzeugungstechnologien.
Die wichtigsten Informationen zu LCOE (Levelized Cost of Energy)
- Formel: Summe aller diskontierten Kosten geteilt durch die diskontierte erzeugte Strommenge
- Umfasst Investition, Betrieb, Wartung, Brennstoff und Kapitalkosten über die Lebensdauer
- Fraunhofer ISE: Freiflächen-PV und Onshore-Wind in Deutschland grob 4–9 ct/kWh – günstiger als neue konventionelle Kraftwerke
- Zentrale Kennzahl für PPA-Bewertung, Dach-PV- und Mieterstromprojekte
- Blinder Fleck: Der LCOE sagt nichts über den Wert des Stroms zum Erzeugungszeitpunkt aus
Wie werden Stromgestehungskosten berechnet?
Der LCOE ergibt sich, indem alle Kosten einer Erzeugungsanlage über ihre Lebensdauer aufsummiert und durch die insgesamt erzeugte Strommenge geteilt werden – beides auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Die Berechnung folgt der Formel: LCOE = Summe aller diskontierten Kosten geteilt durch die Summe aller diskontierten erzeugten Energiemengen. In die Kosten fließen Investition, Betrieb, Wartung, gegebenenfalls Brennstoff sowie die Kapitalkosten ein.
Zwei Stellgrößen prägen das Ergebnis besonders: Ein hoher Kapazitätsfaktor senkt den LCOE-Wert, weil sich die Fixkosten auf mehr Kilowattstunden verteilen. Und der Kalkulationszins wirkt bei kapitalintensiven Technologien wie Photovoltaik oder Windkraft stark, weil dort fast alle Kosten am Anfang anfallen. Nach den Studien des Fraunhofer ISE liegen Freiflächen-Photovoltaik und Onshore-Wind in Deutschland im Bereich von grob 4 bis 9 ct/kWh und damit unter den Gestehungskosten neuer konventioneller Kraftwerke.
Wofür nutzen Unternehmen und Hausverwaltungen den LCOE?
Der LCOE ist die zentrale Vergleichszahl, wenn eigene Erzeugung gegen Strombezug aus dem Netz abgewogen wird. Industriekunden vergleichen bei PPA-Angeboten den angebotenen Preis mit dem LCOE der Erzeugungsanlage – so lässt sich einschätzen, ob ein langfristiger Abnahmevertrag fair bepreist ist.
Bei Investitionen in eigene Erzeugung wie Dach-Photovoltaik dient der LCOE als Maßstab gegenüber dem Netzstrompreis: Liegt er darunter, rechnet sich der Eigenverbrauch. Für Eigentümer und Hausverwaltungen ist das die zentrale Kennzahl bei der Bewertung von Dach-PV- oder Mieterstromprojekten – sie zeigt, zu welchen Kosten die Anlage jede Kilowattstunde über 20 und mehr Betriebsjahre produziert, unabhängig von kurzfristigen Marktpreisschwankungen.
Wo liegen die Grenzen der Kennzahl?
Der LCOE bewertet nur die Kosten der Erzeugung, nicht den Wert des erzeugten Stroms. Eine typische Stolperfalle: Eine PV-Anlage mit sehr niedrigem LCOE produziert vor allem mittags, wenn Börsenpreise oft niedrig sind. Zwei Anlagen mit identischem LCOE können am Markt also sehr unterschiedliche Erlöse erzielen, je nachdem, wann ihr Strom anfällt.
Für Systemvergleiche werden daher zunehmend ergänzende Kennzahlen wie der Marktwert der Erzeugung oder Systemkosten herangezogen, die auch Speicherbedarf, Netzausbau und die zeitliche Struktur der Einspeisung berücksichtigen. Für die Investitionsentscheidung eines einzelnen Unternehmens gilt praktisch: Der LCOE beantwortet die Frage nach den Produktionskosten – ob sich die Anlage rechnet, hängt zusätzlich davon ab, welcher Anteil des Stroms selbst verbraucht wird und welche Erlöse der Rest erzielt.
Häufige Fragen zu LCOE (Levelized Cost of Energy)
Ist die Technologie mit dem niedrigsten LCOE automatisch die beste Wahl?
Nicht zwingend. Der LCOE misst nur die Erzeugungskosten, nicht den Wert des Stroms zum Erzeugungszeitpunkt oder die Systemkosten für Speicher und Netze. Für eine Investitionsentscheidung zählen daneben Eigenverbrauchsquote, Vermarktungserlöse und Flexibilität.
Warum senkt ein hoher Kapazitätsfaktor den LCOE?
Weil sich die weitgehend fixen Investitions- und Betriebskosten auf mehr erzeugte Kilowattstunden verteilen. Eine Anlage, die häufiger unter Volllast läuft, produziert jede Kilowattstunde entsprechend günstiger.
Wie stark beeinflusst der Zinssatz das Ergebnis?
Erheblich – besonders bei Photovoltaik und Wind, wo fast die gesamten Kosten als Anfangsinvestition anfallen. Steigende Finanzierungszinsen erhöhen den LCOE dieser Technologien spürbar, während Brennstoffkosten dort keine Rolle spielen.
Wann rechnet sich Eigenverbrauch nach der LCOE-Logik?
Wenn die Gestehungskosten der eigenen Anlage unter dem Preis liegen, den Sie sonst je Kilowattstunde aus dem Netz zahlen. Je höher der selbst verbrauchte Anteil der Erzeugung, desto stärker schlägt dieser Vorteil in der Gesamtrechnung durch.