Energie-Glossar · O
OCPP
OCPP (Open Charge Point Protocol) ist ein herstellerunabhängiges Kommunikationsprotokoll zwischen Ladepunkten und dem zentralen Lademanagementsystem eines Betreibers. Es ermöglicht, Ladesäulen unterschiedlicher Hersteller mit Backend-Systemen verschiedener Anbieter zu verbinden, ohne an einen bestimmten Hersteller gebunden zu sein.
Die wichtigsten Informationen zu OCPP
- Offenes Protokoll der Open Charge Alliance für die Kommunikation zwischen Ladepunkt und Lademanagementsystem
- Version 2.0.1 wurde 2024 als internationale Norm IEC 63584 formalisiert
- Ermöglicht Interoperabilität zwischen Ladesäulen verschiedener Hersteller und Backend-Anbietern
- Neuere Versionen unterstützen Plug & Charge über ISO 15118 und erweiterte Sicherheitsprofile
- Relevant bei jeder Ausschreibung von Ladeinfrastruktur für Wohn- und Gewerbeimmobilien
Was regelt OCPP genau?
OCPP definiert, wie ein Ladepunkt – etwa eine Wallbox oder öffentliche Ladesäule – mit einem zentralen Lademanagementsystem, dem sogenannten Charging Station Management System, kommuniziert. Dazu gehören Meldungen über Verfügbarkeit und Status des Ladepunkts, Start und Stopp von Ladevorgängen, Übertragung von Zählerständen für die Abrechnung sowie Fernwartungs- und Firmware-Update-Funktionen. Entwickelt und gepflegt wird das Protokoll von der Open Charge Alliance, einem internationalen Zusammenschluss von Herstellern und Betreibern.
Die weit verbreitete Version 1.6 deckt die grundlegenden Funktionen ab, während die 2020 veröffentlichte Version 2.0.1 zusätzliche Sicherheitsprofile, umfassendes Gerätemanagement und die Unterstützung von Plug & Charge über den Standard ISO 15118 mitbringt, bei dem sich Fahrzeug und Ladepunkt automatisch authentifizieren. 2024 wurde OCPP 2.0.1 als internationale Norm IEC 63584 formalisiert, was die Bedeutung des Protokolls als herstellerübergreifenden Industriestandard weiter untermauert.
Warum ist Herstellerunabhängigkeit bei Ladeinfrastruktur wichtig?
Ohne ein offenes Protokoll wie OCPP wäre jede Ladesäule an das proprietäre Backend ihres Herstellers gebunden. Betreiber müssten bei einem Wechsel des Abrechnungs- oder Managementanbieters die komplette Hardware austauschen. OCPP entkoppelt Ladepunkt-Hardware und Backend-Software: Ein Betreiber kann Ladesäulen verschiedener Hersteller in einem einzigen System zusammenfassen und bei Bedarf den Backend-Anbieter wechseln, ohne die Hardware zu ersetzen.
Was sollten Hausverwaltungen und Unternehmen bei der Ausschreibung von Ladeinfrastruktur beachten?
Für Hausverwaltungen und Unternehmen, die im Zuge des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastrukturgesetzes Ladeinfrastruktur für Mehrfamilienhäuser oder Gewerbeimmobilien planen, ist OCPP-Kompatibilität ein zentrales Ausschreibungskriterium. Ohne sie besteht das Risiko, langfristig an einen einzelnen Anbieter für Abrechnung und Betrieb gebunden zu sein.
- OCPP-Kompatibilität explizit in der Leistungsbeschreibung fordern, nicht nur „internetfähig“ oder „smart“
- Auf die unterstützte OCPP-Version achten – 2.0.1 bietet mehr Sicherheits- und Steuerungsfunktionen als die ältere Version 1.6
- Eichrechtskonforme Abrechnung und Schnittstelle zum gewählten Abrechnungsdienstleister vorab klären
Ein weiterer Praxispunkt: Auch wenn zwei Ladesäulen jeweils OCPP unterstützen, können sich Details der Implementierung unterscheiden. Ein Testbetrieb oder eine Kompatibilitätsprüfung vor dem endgültigen Rollout vermeidet spätere Überraschungen, insbesondere bei größeren Anlagen mit vielen Ladepunkten unterschiedlicher Hersteller.
Welche Rolle spielt OCPP beim intelligenten Lastmanagement?
Über OCPP lassen sich nicht nur einzelne Ladevorgänge starten und stoppen, sondern auch Ladeleistungen dynamisch steuern. Das ist besonders bei Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien mit mehreren Ladepunkten an einem gemeinsamen Netzanschluss relevant: Ein zentrales Lademanagementsystem kann über OCPP-Steuerbefehle die verfügbare Anschlussleistung so auf die einzelnen Ladepunkte verteilen, dass die vorhandene Netzanschlusskapazität nicht überschritten wird, ohne dass für jedes Fahrzeug ein eigener, überdimensionierter Anschluss errichtet werden muss.
Diese Funktion senkt häufig spürbar die Investitionskosten, da ein teurer Netzausbau des Gebäudeanschlusses vermieden werden kann, und wird in vielen Förderprogrammen für Ladeinfrastruktur inzwischen vorausgesetzt oder zumindest empfohlen. Für Hausverwaltungen und Unternehmen lohnt sich daher die gezielte Nachfrage, ob ein angebotenes Lademanagementsystem lastabhängige Steuerung über OCPP tatsächlich unterstützt oder nur als zusätzliche, separat zu lizenzierende Option verfügbar ist. Auch die Anbindung an dynamische Stromtarife oder eine spätere Einbindung als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG läuft in der Regel über dieselbe OCPP-Schnittstelle, sodass eine zukunftsfeste Ausschreibung diesen Aspekt von Anfang an mitdenken sollte.
Häufige Fragen zu OCPP
Ist OCPP dasselbe wie ISO 15118?
Nein. OCPP regelt die Kommunikation zwischen Ladepunkt und Lademanagementsystem im Backend, während ISO 15118 die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt regelt, etwa für Plug & Charge. Beide Standards ergänzen sich, adressieren aber unterschiedliche Schnittstellen.
Funktioniert jede OCPP-fähige Wallbox mit jedem Backend-Anbieter?
Grundsätzlich ja, in der Praxis können aber Unterschiede in der konkreten Implementierung oder unterstützten OCPP-Version zu Einschränkungen führen. Eine Kompatibilitätsprüfung vor dem Kauf wird empfohlen.
Ist OCPP verpflichtend für neu installierte Ladeinfrastruktur?
Eine explizite Pflicht zur Nutzung von OCPP besteht nicht per Gesetz, in der Praxis fordern jedoch viele Betreiber und öffentliche Förderprogramme die Kompatibilität, um Herstellerbindung zu vermeiden.
Welche Version von OCPP sollte ich heute wählen?
Für neue Installationen empfiehlt sich in der Regel OCPP 2.0.1, da es umfangreichere Sicherheitsfunktionen und Gerätemanagement bietet und als internationale Norm IEC 63584 abgesichert ist.