Energie-Glossar · P
PRISMA (Buchungsplattform Gas)
PRISMA ist eine europäische Online-Plattform, über die Fernleitungsnetzbetreiber Gastransportkapazitäten primär versteigern und Gashändler ungenutzte Kapazitäten sekundär weiterhandeln können. Betrieben wird sie von der PRISMA European Capacity Platform GmbH mit Sitz in Leipzig und wird von rund 36 europäischen Fernleitungsnetzbetreibern genutzt.
Die wichtigsten Informationen zu PRISMA (Buchungsplattform Gas)
- Europäische Kapazitätsbuchungsplattform, betrieben von der PRISMA European Capacity Platform GmbH in Leipzig
- Rund 36 Fernleitungsnetzbetreiber vermarkten darüber Transportkapazitäten für mehr als 70 Prozent des europäischen Erdgastransports
- Ermöglicht sowohl Primärkapazitätsauktionen als auch den Sekundärhandel ungenutzter Kapazität zwischen Händlern
- Seit Januar 2017 wird über PRISMA auch Gasspeicherkapazität vermarktet
- Dient dem EU-Ziel einer wettbewerbsorientierten, grenzüberschreitenden Integration der europäischen Gasmärkte
Was ist PRISMA und wie funktioniert die Plattform?
PRISMA ist eine gemeinsame Online-Plattform europäischer Fernleitungsnetzbetreiber, über die Gastransportkapazitäten gehandelt werden. Rund 36 Fernleitungsnetzbetreiber, die zusammen für den Transport von mehr als 70 Prozent des in Europa transportierten Erdgases verantwortlich sind, nutzen die Plattform, um ihre Kapazitäten an Entry- und Exit-Punkten zu vermarkten. Betreiberin ist die PRISMA European Capacity Platform GmbH mit Sitz in Leipzig.
Die Plattform unterscheidet zwischen Primärkapazitätshandel und Sekundärkapazitätshandel. Beim Primärkapazitätshandel versteigern die Fernleitungsnetzbetreiber ihre Transportkapazitäten direkt an Gashändler. Beim Sekundärkapazitätshandel können Gashändler bereits erworbene, aber nicht benötigte Kapazitäten über dieselbe Plattform an andere Marktteilnehmer weiterverkaufen. Seit Januar 2017 wird über PRISMA zusätzlich Gasspeicherkapazität vermarktet, was die Plattform zu einem zentralen Baustein der europäischen Gasinfrastrukturvermarktung macht.
Welche Rolle spielt PRISMA für die europäische Marktintegration?
Die Einrichtung einer gemeinsamen europäischen Buchungsplattform verfolgt das Ziel der Europäischen Kommission, die nationalen Gasmärkte wettbewerbsorientiert und grenzüberschreitend zu integrieren. Vor Einführung solcher gemeinsamer Plattformen mussten Händler Kapazitäten bei jedem Fernleitungsnetzbetreiber einzeln über nationale Systeme buchen, was den grenzüberschreitenden Gashandel deutlich erschwerte. Mit PRISMA lassen sich Kapazitäten an Grenzübergangspunkten verschiedener Länder über eine einheitliche Oberfläche buchen.
Warum ist PRISMA für Unternehmen mit hohem Gasverbrauch relevant?
Für die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen ist PRISMA nicht unmittelbar sichtbar, da die Gaslieferung über den eigenen Energieversorger und dessen Beschaffung im jeweiligen Marktgebiet läuft. Relevant wird die Plattform vor allem für größere Industrieunternehmen mit eigenem Portfoliomanagement, die selbst Transportkapazitäten an Entry- oder Exit-Punkten benötigen, etwa bei grenzüberschreitenden Lieferbeziehungen oder eigenem Gashandel.
- Für die meisten Unternehmen läuft die Kapazitätsbeschaffung indirekt über den Energieversorger – eine eigene PRISMA-Nutzung ist nur bei eigenem Portfoliomanagement relevant
- Größere Industrieunternehmen mit eigenem Gashandel sollten die Kapazitätslage an relevanten Entry-/Exit-Punkten im Blick behalten
- Engpässe oder hohe Kapazitätspreise an bestimmten Grenzübergangspunkten können sich mittelbar auf Beschaffungskosten auswirken
Für die überwiegende Zahl der Hausverwaltungen und mittelständischen Unternehmen bleibt PRISMA im Hintergrund der eigenen Gasversorgung – relevant wird sie in der Regel erst, wenn ein Unternehmen selbst als Bilanzkreisverantwortlicher oder Marktpartner am Gashandel teilnimmt.
Wie fügt sich PRISMA in das deutsche Marktgebietssystem ein?
Innerhalb Deutschlands ist der Gasmarkt im sogenannten Entry-Exit-System organisiert, bei dem Netznutzer Kapazitäten getrennt für die Einspeisung (Entry) und die Ausspeisung (Exit) buchen, unabhängig vom tatsächlichen physischen Transportweg. Für grenzüberschreitende Kapazitäten an den Übergabepunkten zu Nachbarländern ist PRISMA die zentrale Buchungsplattform, während innerhalb des deutschen Marktgebiets Trading Hub Europe als Marktgebietsverantwortlicher die Koordination übernimmt. Beide Systeme greifen ineinander: Wer Gas grenzüberschreitend transportieren möchte, benötigt sowohl grenzüberschreitende Kapazität über PRISMA als auch die entsprechenden Ein- und Ausspeisekapazitäten im jeweiligen nationalen Marktgebiet.
Diese Struktur wurde im Zuge der europäischen Gasmarktliberalisierung eingeführt, um Handel und Transport rechtlich und organisatorisch zu entkoppeln. Für Unternehmen mit eigenem Portfoliomanagement bedeutet das in der Praxis, dass Kapazitätsplanung, Nominierung von Gasmengen und die eigentliche Beschaffung der Ware Erdgas über unterschiedliche Systeme und Marktteilnehmer laufen, die im Tagesgeschäft eng koordiniert werden müssen.
Häufige Fragen zu PRISMA (Buchungsplattform Gas)
Können auch kleinere Unternehmen direkt über PRISMA Kapazitäten buchen?
Technisch ja, sofern sie sich als Marktteilnehmer registrieren und über einen Bilanzkreis verfügen. In der Praxis ist dies aber vor allem für größere Industrieunternehmen und Energiehändler relevant, während kleinere Unternehmen die Beschaffung über ihren Energieversorger abwickeln.
Ist PRISMA nur für den deutschen Gasmarkt relevant?
Nein, PRISMA ist eine europaweite Plattform, über die zahlreiche Fernleitungsnetzbetreiber verschiedener EU-Länder ihre Kapazitäten vermarkten, was den grenzüberschreitenden Gashandel innerhalb Europas erleichtert.
Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärkapazitätshandel bei PRISMA?
Beim Primärkapazitätshandel versteigert der Fernleitungsnetzbetreiber selbst Kapazität direkt. Beim Sekundärkapazitätshandel verkaufen Marktteilnehmer bereits erworbene, aber ungenutzte Kapazität untereinander weiter.
Handelt PRISMA auch Erdgas selbst?
Nein, über PRISMA werden ausschließlich Transport- und Speicherkapazitäten gehandelt, nicht die physische Ware Erdgas selbst. Der Gashandel findet auf gesonderten Handelsplätzen wie Spotmärkten oder virtuellen Handelspunkten statt.