Energie-Glossar · S
SAIFI
SAIFI beschreibt die mittlere Zahl der Versorgungsunterbrechungen je Letztverbraucher in einem Jahr. VDE FNN weist einschließlich höherer Gewalt 0,28 Unterbrechungen für 2024 und 0,34 für 2023 aus.
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SAIFI einschließlich höherer Gewalt
Die wichtigsten Informationen zu SAIFI
- Misst die durchschnittliche Anzahl an Versorgungsunterbrechungen je Kunde und Jahr, Einheit 1 pro Jahr
- Ergänzt den SAIDI-Wert, der nur die Ausfalldauer, nicht die Häufigkeit erfasst
- Datenbasis in Deutschland unter anderem die VDE-FNN-Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik sowie Meldungen nach § 52 EnWG
- 2024 rund 0,28 Unterbrechungen je Kunde, rückläufig gegenüber 0,34 im Jahr 2023
- Kurzunterbrechungen von wenigen Sekunden bis unter drei Minuten werden bei der Zählung meist nicht berücksichtigt
Wie unterscheidet sich SAIFI von SAIDI?
SAIFI beantwortet die Frage, wie oft ein durchschnittlicher Kunde im Jahr von einer Versorgungsunterbrechung betroffen ist, während SAIDI misst, wie lange diese Unterbrechungen insgesamt dauern. Ein Netz kann also einen niedrigen SAIDI-Wert haben, weil Störungen selten sind, aber wenn sie auftreten, lange dauern – oder umgekehrt einen niedrigen SAIFI-Wert bei insgesamt wenigen, aber kurzen Unterbrechungen. Erst beide Kennzahlen zusammen ergeben ein vollständiges Bild der Versorgungszuverlässigkeit eines Netzes.
Wie wird die Unterbrechungshäufigkeit in Deutschland erfasst?
Neben den Meldungen der Netzbetreiber an die Bundesnetzagentur nach § 52 EnWG erhebt der VDE über das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) eine eigene Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik, aus der sich der SAIFI-Wert ableiten lässt. Für 2024 wies diese Statistik rund 0,28 Unterbrechungen je Kunde aus, nach 0,34 im Vorjahr – ein Rückgang, der zur ebenfalls gesunkenen durchschnittlichen Ausfalldauer (SAIDI) im selben Zeitraum passt. Kurzunterbrechungen unterhalb einer bestimmten Zeitschwelle werden dabei üblicherweise nicht mitgezählt, um kurzzeitige Schaltvorgänge von echten Versorgungsunterbrechungen abzugrenzen.
Warum ist SAIFI für Unternehmen und Hausverwaltungen mit technischer Gebäudeausstattung relevant?
Für Gebäude mit sensibler Technik – Aufzüge, elektronische Zugangskontrollen, Kühl- oder Serverräume – kann die Häufigkeit von Unterbrechungen wichtiger sein als deren Gesamtdauer: Viele kurze Ausfälle bedeuten viele Neustarts, Fehlermeldungen und potenzielle Störungen im Betriebsablauf, selbst wenn die addierte Ausfallzeit gering bleibt. Unternehmen und Hausverwaltungen, die für Liegenschaften mit solcher Technik verantwortlich sind, sollten deshalb sowohl SAIDI als auch SAIFI-ähnliche Störungshäufigkeiten beim Netzbetreiber erfragen, bevor sie über unterbrechungsfreie Stromversorgung, Ersatzstromaggregate oder Wartungsintervalle für technische Anlagen entscheiden.
Wird SAIFI auch bei der Netzentgeltregulierung berücksichtigt?
Wie beim SAIDI-Wert fließt auch die Unterbrechungshäufigkeit über das Qualitätselement der Anreizregulierung indirekt in die zulässigen Erlöse der Netzbetreiber ein. Ziel ist, Netzbetreibern einen wirtschaftlichen Anreiz zu geben, sowohl die Dauer als auch die Häufigkeit von Versorgungsunterbrechungen niedrig zu halten, statt Kosteneinsparungen einseitig zulasten der Versorgungsqualität vorzunehmen.
In der Praxis lohnt sich für größere Liegenschaften und Unternehmen ein Blick auf beide Kennzahlen gemeinsam, wenn über Investitionen in Ersatzstromversorgung, unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) oder redundante Netzanschlüsse entschieden wird: Ein Standort mit niedrigem SAIDI, aber überdurchschnittlich vielen kurzen Unterbrechungen kann für störanfällige Elektronik ein größeres Risiko darstellen als ein Standort mit seltenen, aber im Einzelfall längeren Ausfällen.
Da belastbare, öffentlich verfügbare SAIFI-Werte für einzelne Netzgebiete in Deutschland seltener veröffentlicht werden als SAIDI-Werte, empfiehlt es sich für Unternehmen mit besonders störempfindlicher Technik, direkt beim zuständigen Netzbetreiber nach der lokalen Unterbrechungshäufigkeit der vergangenen Jahre zu fragen, statt sich allein auf den bundesweiten Durchschnittswert der VDE-FNN-Statistik zu verlassen. So lässt sich einschätzen, ob der eigene Standort spürbar über oder unter dem bundesweiten Trend liegt, bevor größere Investitionsentscheidungen zur Absicherung gegen Versorgungsunterbrechungen getroffen werden.
Quellen & Verweise
- VDE Forum Netztechnik/Netzbetrieb (VDE FNN) — Versorgungszuverlässigkeit – die VDE FNN Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik. vde.com · Abruf
Häufige Fragen zu SAIFI
Was sagt ein SAIFI-Wert von 0,28 konkret aus?
Er bedeutet, dass ein durchschnittlicher Stromkunde in Deutschland 2024 statistisch etwa alle dreieinhalb Jahre von einer Versorgungsunterbrechung betroffen war. Individuelle Werte können je nach Netzgebiet und Anschlusssituation deutlich abweichen.
Zählen kurze Spannungseinbrüche zum SAIFI-Wert?
In der Regel nicht. Sehr kurze Ereignisse unterhalb einer definierten Zeitschwelle gelten meist nicht als Versorgungsunterbrechung im Sinne der Statistik und fließen daher nicht in den SAIFI-Wert ein.
Ist ein hoher SAIFI-Wert bei niedrigem SAIDI-Wert ein Widerspruch?
Nein. Das ist sogar möglich und kommt vor: viele kurze Unterbrechungen können einen niedrigen SAIDI-Wert (Gesamtdauer) bei gleichzeitig höherem SAIFI-Wert (Häufigkeit) ergeben. Beide Kennzahlen sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden.
Veröffentlicht die Bundesnetzagentur einen offiziellen SAIFI-Wert für ganz Deutschland?
Der Schwerpunkt der offiziellen Bundesnetzagentur-Statistik liegt auf dem SAIDI-Wert. Belastbare SAIFI-Werte für Deutschland liefert ergänzend die VDE-FNN-Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik.
