Energie-Glossar · S
SCADA
SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) ist ein computergestütztes System zur zentralen Überwachung und Fernsteuerung technischer Prozesse in Echtzeit, das in der Energiewirtschaft etwa Umspannwerke, Kraftwerke und Verteilnetze steuert. Als Teil kritischer Infrastruktur unterliegt SCADA in Deutschland besonderen IT-Sicherheitsanforderungen.
Die wichtigsten Informationen zu SCADA
- Supervisory Control and Data Acquisition: zentrale Überwachung und Fernsteuerung verteilter technischer Anlagen
- In der Energiewirtschaft im Einsatz bei Umspannwerken, Kraftwerken, Schaltanlagen und Verteilnetzen
- Netzbetreiber sind nach § 11 Abs. 1a EnWG zu besonderen IT-Sicherheitsstandards verpflichtet
- Ab einem Schwellenwert von 3.700 GWh Jahresentnahme im Strombereich gilt eine Anlage als Kritische Infrastruktur (KRITIS)
- NIS2 und IT-Sicherheitsgesetz 2.0 verschärfen die Anforderungen an Angriffserkennung und Meldepflichten
Was ist ein SCADA-System und wofür wird es genutzt?
SCADA steht für Supervisory Control and Data Acquisition und bezeichnet ein computergestütztes System zur zentralen Überwachung, Visualisierung und Fernsteuerung technischer Prozesse in Echtzeit über größere räumliche Entfernungen. In der Energiewirtschaft überwacht und steuert SCADA typischerweise Stromflüsse, Netzlasten, Schaltanlagen und Turbinen in Umspannwerken, Kraftwerken und Verteilnetzen – von der zentralen Leitwarte eines Netzbetreibers aus lassen sich so verteilte Anlagen in Echtzeit beobachten und bei Bedarf fernsteuern, ohne dass Personal vor Ort eingreifen muss.
Warum unterliegt SCADA besonderen IT-Sicherheitsanforderungen?
SCADA-Systeme gelten als besonders schützenswert, weil ihr Ausfall oder ihre Manipulation die Energieversorgung großer Bevölkerungsgruppen beeinträchtigen kann. Das IT-Sicherheitsgesetz hat den Energiesektor als kritische Infrastruktur eingestuft; Netzbetreiber sind nach § 11 Abs. 1a EnWG verpflichtet, besondere Mindeststandards für die IT-Sicherheit einzuhalten. Ab einem Schwellenwert von 3.700 Gigawattstunden entnommener Energie pro Jahr zählen Strom-Anlagen zusätzlich als Kritische Infrastruktur (KRITIS) und müssen entsprechende Sicherheitsvorfälle an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) melden. Da SCADA-Systeme grundsätzlich denselben Schwachstellen ausgesetzt sein können wie herkömmliche Büro-IT, richten sich Cyberangriffe auf den Energiesektor – teils auch mit staatlichem Hintergrund – zunehmend gezielt gegen diese Leitsysteme.
- IT-Sicherheitskatalog nach § 11 Abs. 1a EnWG verpflichtet Netzbetreiber zu Mindeststandards
- KRITIS-Schwellenwert Strom: ab 3.700 GWh Jahresentnahme
- Meldepflicht von Sicherheitsvorfällen an das BSI
- NIS2-Richtlinie verschärft Anforderungen an Angriffserkennungssysteme zusätzlich
Was hat SCADA mit Unternehmen und Hausverwaltungen zu tun, die keine Netzbetreiber sind?
Auch Unternehmen und Hausverwaltungen ohne eigenen Netzbetrieb kommen mit SCADA-nahen Themen in Berührung, etwa wenn sie eigene Kundenanlagen, Objektnetze, große PV- oder BHKW-Anlagen mit Fernüberwachung, Ladeinfrastruktur-Netzwerke oder industrielle Energiemanagementsysteme betreiben. Solche Anlagen nutzen häufig vereinfachte SCADA- oder SCADA-ähnliche Leitsysteme zur Fernüberwachung von Erzeugung, Verbrauch und Speicherzuständen. Auch wenn die strengen KRITIS-Pflichten meist nur größere Netzbetreiber treffen, gelten allgemeine Grundsätze der IT-Sicherheit – etwa getrennte Netzwerksegmente für Leittechnik und Büro-IT, restriktive Fernzugriffsrechte und regelmäßige Software-Updates – auch für kleinere Betreiber technischer Anlagen als sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
Wie unterscheidet sich SCADA von einem Smart Meter Gateway?
SCADA-Systeme dienen der Überwachung und Steuerung ganzer Netzabschnitte oder Kraftwerke auf der Betreiberseite, während ein Smart Meter Gateway die gesicherte Kommunikationseinheit eines einzelnen intelligenten Messsystems beim Endkunden ist und in erster Linie Verbrauchsdaten überträgt. Beide Systeme unterliegen strengen IT-Sicherheitsanforderungen, adressieren aber unterschiedliche Ebenen der Energieinfrastruktur: SCADA die großflächige Netzsteuerung, das Smart Meter Gateway die Messwerterfassung und -übertragung am einzelnen Zählpunkt.
Zu den nach dem IT-Sicherheitskatalog geschützten Komponenten zählen neben den eigentlichen SCADA-Anwendungen auch angrenzende Systeme wie Steuerungs- und Regelungstechnik, Energiedaten- und Monitoring-Systeme sowie zentrale Datenbanken mit Anbindung an das Leitsystem. Energieversorger müssen dafür ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) nachweisen, regelmäßig zertifizieren lassen und bei Sicherheitsvorfällen unverzüglich das BSI informieren. Mit der europäischen NIS2-Richtlinie und dem IT-Sicherheitsgesetz 2.0 wurden diese Anforderungen weiter verschärft, unter anderem durch die Pflicht zum Einsatz von Systemen zur Angriffserkennung, die verdächtige Aktivitäten im Leitsystem frühzeitig erkennen sollen.
Häufige Fragen zu SCADA
Wofür steht die Abkürzung SCADA?
SCADA steht für Supervisory Control and Data Acquisition, also die zentrale Überwachung und Fernsteuerung technischer Prozesse in Echtzeit.
Ab welcher Schwelle gilt eine Stromanlage als KRITIS?
Anlagen mit einer entnommenen Energiemenge von mindestens 3.700 Gigawattstunden pro Jahr gelten im Strombereich als kritische Infrastruktur nach dem BSI-Gesetz.
Sind SCADA-Systeme grundsätzlich sicherer als normale Büro-IT?
Nein, SCADA-Systeme können von denselben Schwachstellen betroffen sein wie herkömmliche IT-Systeme und sind deshalb ein attraktives Ziel für Cyberangriffe auf die Energieversorgung.
Müssen auch kleinere Unternehmen SCADA-Sicherheitsstandards einhalten?
Die strengen gesetzlichen KRITIS-Pflichten treffen vor allem größere Netzbetreiber. Kleinere Betreiber technischer Anlagen sollten dennoch grundlegende IT-Sicherheitsmaßnahmen wie Netzwerksegmentierung umsetzen.
Was ist der Unterschied zwischen SCADA und einem Smart Meter Gateway?
SCADA überwacht und steuert ganze Netzabschnitte oder Kraftwerke, während ein Smart Meter Gateway die gesicherte Kommunikationseinheit eines einzelnen intelligenten Messsystems ist.