Energie-Glossar · S

SCADA

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 2 Min.

SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) ist ein computergestütztes System zur zentralen Überwachung und Fernsteuerung technischer Prozesse in Echtzeit, das in der Energiewirtschaft etwa Umspannwerke, Kraftwerke und Verteilnetze steuert. Als Teil kritischer Infrastruktur unterliegt SCADA in Deutschland besonderen IT-Sicherheitsanforderungen.

Die wichtigsten Informationen zu SCADA

  • Supervisory Control and Data Acquisition: zentrale Überwachung und Fernsteuerung verteilter technischer Anlagen
  • In der Energiewirtschaft im Einsatz bei Umspannwerken, Kraftwerken, Schaltanlagen und Verteilnetzen
  • Netzbetreiber sind nach § 11 Abs. 1a EnWG zu besonderen IT-Sicherheitsstandards verpflichtet
  • Ab einem Schwellenwert von 3.700 GWh Jahresentnahme im Strombereich gilt eine Anlage als Kritische Infrastruktur (KRITIS)
  • NIS2 und IT-Sicherheitsgesetz 2.0 verschärfen die Anforderungen an Angriffserkennung und Meldepflichten

Was ist ein SCADA-System und wofür wird es genutzt?

SCADA steht für Supervisory Control and Data Acquisition und bezeichnet ein computergestütztes System zur zentralen Überwachung, Visualisierung und Fernsteuerung technischer Prozesse in Echtzeit über größere räumliche Entfernungen. In der Energiewirtschaft überwacht und steuert SCADA typischerweise Stromflüsse, Netzlasten, Schaltanlagen und Turbinen in Umspannwerken, Kraftwerken und Verteilnetzen – von der zentralen Leitwarte eines Netzbetreibers aus lassen sich so verteilte Anlagen in Echtzeit beobachten und bei Bedarf fernsteuern, ohne dass Personal vor Ort eingreifen muss.

Warum unterliegt SCADA besonderen IT-Sicherheitsanforderungen?

SCADA-Systeme gelten als besonders schützenswert, weil ihr Ausfall oder ihre Manipulation die Energieversorgung großer Bevölkerungsgruppen beeinträchtigen kann. Das IT-Sicherheitsgesetz hat den Energiesektor als kritische Infrastruktur eingestuft; Netzbetreiber sind nach § 11 Abs. 1a EnWG verpflichtet, besondere Mindeststandards für die IT-Sicherheit einzuhalten. Ab einem Schwellenwert von 3.700 Gigawattstunden entnommener Energie pro Jahr zählen Strom-Anlagen zusätzlich als Kritische Infrastruktur (KRITIS) und müssen entsprechende Sicherheitsvorfälle an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) melden. Da SCADA-Systeme grundsätzlich denselben Schwachstellen ausgesetzt sein können wie herkömmliche Büro-IT, richten sich Cyberangriffe auf den Energiesektor – teils auch mit staatlichem Hintergrund – zunehmend gezielt gegen diese Leitsysteme.

  • IT-Sicherheitskatalog nach § 11 Abs. 1a EnWG verpflichtet Netzbetreiber zu Mindeststandards
  • KRITIS-Schwellenwert Strom: ab 3.700 GWh Jahresentnahme
  • Meldepflicht von Sicherheitsvorfällen an das BSI
  • NIS2-Richtlinie verschärft Anforderungen an Angriffserkennungssysteme zusätzlich

Was hat SCADA mit Unternehmen und Hausverwaltungen zu tun, die keine Netzbetreiber sind?

Auch Unternehmen und Hausverwaltungen ohne eigenen Netzbetrieb kommen mit SCADA-nahen Themen in Berührung, etwa wenn sie eigene Kundenanlagen, Objektnetze, große PV- oder BHKW-Anlagen mit Fernüberwachung, Ladeinfrastruktur-Netzwerke oder industrielle Energiemanagementsysteme betreiben. Solche Anlagen nutzen häufig vereinfachte SCADA- oder SCADA-ähnliche Leitsysteme zur Fernüberwachung von Erzeugung, Verbrauch und Speicherzuständen. Auch wenn die strengen KRITIS-Pflichten meist nur größere Netzbetreiber treffen, gelten allgemeine Grundsätze der IT-Sicherheit – etwa getrennte Netzwerksegmente für Leittechnik und Büro-IT, restriktive Fernzugriffsrechte und regelmäßige Software-Updates – auch für kleinere Betreiber technischer Anlagen als sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.

Wie unterscheidet sich SCADA von einem Smart Meter Gateway?

SCADA-Systeme dienen der Überwachung und Steuerung ganzer Netzabschnitte oder Kraftwerke auf der Betreiberseite, während ein Smart Meter Gateway die gesicherte Kommunikationseinheit eines einzelnen intelligenten Messsystems beim Endkunden ist und in erster Linie Verbrauchsdaten überträgt. Beide Systeme unterliegen strengen IT-Sicherheitsanforderungen, adressieren aber unterschiedliche Ebenen der Energieinfrastruktur: SCADA die großflächige Netzsteuerung, das Smart Meter Gateway die Messwerterfassung und -übertragung am einzelnen Zählpunkt.

Zu den nach dem IT-Sicherheitskatalog geschützten Komponenten zählen neben den eigentlichen SCADA-Anwendungen auch angrenzende Systeme wie Steuerungs- und Regelungstechnik, Energiedaten- und Monitoring-Systeme sowie zentrale Datenbanken mit Anbindung an das Leitsystem. Energieversorger müssen dafür ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) nachweisen, regelmäßig zertifizieren lassen und bei Sicherheitsvorfällen unverzüglich das BSI informieren. Mit der europäischen NIS2-Richtlinie und dem IT-Sicherheitsgesetz 2.0 wurden diese Anforderungen weiter verschärft, unter anderem durch die Pflicht zum Einsatz von Systemen zur Angriffserkennung, die verdächtige Aktivitäten im Leitsystem frühzeitig erkennen sollen.

Häufige Fragen zu SCADA

Wofür steht die Abkürzung SCADA?

SCADA steht für Supervisory Control and Data Acquisition, also die zentrale Überwachung und Fernsteuerung technischer Prozesse in Echtzeit.

Ab welcher Schwelle gilt eine Stromanlage als KRITIS?

Anlagen mit einer entnommenen Energiemenge von mindestens 3.700 Gigawattstunden pro Jahr gelten im Strombereich als kritische Infrastruktur nach dem BSI-Gesetz.

Sind SCADA-Systeme grundsätzlich sicherer als normale Büro-IT?

Nein, SCADA-Systeme können von denselben Schwachstellen betroffen sein wie herkömmliche IT-Systeme und sind deshalb ein attraktives Ziel für Cyberangriffe auf die Energieversorgung.

Müssen auch kleinere Unternehmen SCADA-Sicherheitsstandards einhalten?

Die strengen gesetzlichen KRITIS-Pflichten treffen vor allem größere Netzbetreiber. Kleinere Betreiber technischer Anlagen sollten dennoch grundlegende IT-Sicherheitsmaßnahmen wie Netzwerksegmentierung umsetzen.

Was ist der Unterschied zwischen SCADA und einem Smart Meter Gateway?

SCADA überwacht und steuert ganze Netzabschnitte oder Kraftwerke, während ein Smart Meter Gateway die gesicherte Kommunikationseinheit eines einzelnen intelligenten Messsystems ist.

Verwandte Begriffe

Weitere Begriffe mit S

SAIDISAIDI (System Average Interruption Duration Index) gibt an, wie viele Minuten ein durchschnittlicher Stromkunde in einem Jahr ohne Versorgung war. Die Bundesnetzagentur ermittelt den Wert jährlich aus den nach § 52 EnWG gemeldeten Versorgungsunterbrechungen aller deutschen Netzbetreiber; 2024 lag er bei 11,7 Minuten und damit unter dem Zehnjahresmittel von rund 12,7 Minuten.SAIFISAIFI (System Average Interruption Frequency Index) gibt an, wie oft ein durchschnittlicher Stromkunde pro Jahr von einer Versorgungsunterbrechung betroffen ist. Anders als der SAIDI-Wert, der die Ausfalldauer misst, erfasst SAIFI die Ausfallhäufigkeit; nach der VDE-FNN-Störungsstatistik lag der Wert 2024 bei rund 0,28 Unterbrechungen je Kunde, nach 0,34 im Jahr 2023.SBTi (Science Based Targets Initiative)Die Science Based Targets Initiative (SBTi) ist eine gemeinsame Organisation von CDP, WRI, UN Global Compact und WWF, die Unternehmen dabei unterstützt, Klimaziele nach wissenschaftlichen Kriterien im Einklang mit dem 1,5-Grad-Pfad des Pariser Klimaabkommens festzulegen und deren Einhaltung zu validieren.SDAC (Single Day-Ahead Coupling)SDAC (Single Day-Ahead Coupling) ist der EU-weite Marktkopplungsmechanismus, der die Day-Ahead-Strommärkte von 27 Ländern und 61 Gebotszonen über den gemeinsamen Preisbildungsalgorithmus PCR Euphemia zu einem einzigen Handelsprozess verbindet. Er bestimmt täglich um 12 Uhr MEZ gleichzeitig die Day-Ahead-Preise und die grenzüberschreitende Kapazitätsnutzung für alle teilnehmenden Länder.SLPSLP steht für Standardlastprofil: ein normiertes Verbrauchsprofil für Kunden ohne Lastgangmessung, typischerweise Haushalte und Kleingewerbe bis 100.000 kWh pro Jahr. Die gängigsten Profile sind H0 (Haushalt), G0 (Gewerbe) und L0 (Landwirtschaft).SMARDSMARD (Strommarktdaten) ist die von der Bundesnetzagentur betriebene Online-Plattform, die Erzeugungs-, Verbrauchs- und Preisdaten des deutschen und europäischen Strommarkts kostenfrei und nahezu in Echtzeit veröffentlicht. Die Plattform ist seit 2017 online und speist sich unter anderem aus Daten der Übertragungsnetzbetreiber.
Kostenloser Portfolio-Check