Energie-Glossar · M

Marktkopplung (SDAC)

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Definition

Marktkopplung verknüpft die Day-Ahead-Strommärkte mehrerer Länder zu einem gemeinsamen Preisbildungsmechanismus, der Angebot und Nachfrage über Gebotszonen hinweg unter Berücksichtigung der verfügbaren grenzüberschreitenden Netzkapazität optimiert. Im europäischen Day-Ahead-Markt geschieht das über das Single Day-Ahead Coupling (SDAC) mit dem Algorithmus EUPHEMIA.

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Die wichtigsten Informationen zu Marktkopplung (SDAC)

  • SDAC verbindet rund 30 Übertragungsnetzbetreiber und über 60 Gebotszonen in einem gemeinsamen Day-Ahead-Markt
  • Der Algorithmus EUPHEMIA berechnet täglich um 12 Uhr MEZ die Preise für alle Zonen gleichzeitig, unter Einbezug der grenzüberschreitenden Kapazität
  • Seit Oktober 2025 rechnet der europäische Day-Ahead-Markt in Viertelstundenprodukten statt in Stundenblöcken
  • Reicht die Kapazität zwischen zwei Gebotszonen nicht aus, entstehen unterschiedliche Preise je Zone (Preisspaltung)
  • Ziel ist ein einheitlicher europäischer Strommarkt mit effizienterer Netznutzung und geringeren Preisunterschieden zwischen Ländern

Wie funktioniert die Marktkopplung im Day-Ahead-Handel?

Bei der Marktkopplung geben Marktteilnehmer ihre Kauf- und Verkaufsgebote weiterhin bei ihrer nationalen Strombörse ab – etwa der EPEX Spot für Deutschland –, doch die Preisbildung erfolgt nicht mehr isoliert je Land, sondern gemeinsam für alle teilnehmenden Gebotszonen. Ein zentraler Algorithmus ermittelt simultan die Markträumungspreise für sämtliche Zonen und legt gleichzeitig fest, wie die verfügbare grenzüberschreitende Übertragungskapazität zwischen den Zonen genutzt wird. Dadurch fließt Strom implizit dorthin, wo er am dringendsten gebraucht wird, ohne dass Händler die Übertragungskapazität separat buchen müssen.

  • Nationale Gebotsabgabe bleibt bestehen – Marktteilnehmer handeln weiter über ihre gewohnte Börse
  • Ein gemeinsamer Algorithmus (EUPHEMIA) berechnet Preise und Kapazitätsnutzung für alle Zonen gleichzeitig
  • Ausreichende Übertragungskapazität führt zu einheitlichen Preisen in den verbundenen Zonen
  • Fehlt Kapazität, entsteht Preisspaltung – unterschiedliche Preise je Gebotszone als Knappheitssignal

Das Single Day-Ahead Coupling (SDAC) ist die europaweite Umsetzung dieses Prinzips: Es verbindet nahezu alle EU-Strommärkte plus Norwegen und weitere Nachbarländer in einer gemeinsamen Auktion, die täglich um 12:00 Uhr MEZ schließt und die Preise für den Folgetag – seit Oktober 2025 in Viertelstunden-Auflösung – gleichzeitig für alle Zonen festlegt.

Welche Rolle spielt der Algorithmus EUPHEMIA?

EUPHEMIA (Pan-European Hybrid Electricity Market Integration Algorithm) ist das gemeinsame Berechnungsverfahren, das im Rahmen von SDAC und dem Intraday-Pendant SIDC eingesetzt wird. Er löst innerhalb weniger Minuten ein komplexes Optimierungsproblem mit Hunderttausenden Einzelgeboten sowie Block-, Smart- und komplexen Orderarten und liefert dabei sowohl die Markträumungspreise je Zone als auch die implizite Kapazitätsallokation an den Grenzen. Für Marktteilnehmer bedeutet das: Sie müssen keine separate Kapazitätsauktion mehr durchlaufen, um grenzüberschreitend zu handeln – die Marktkopplung erledigt das automatisch im Zuge der Preisbildung.

Was bedeutet Marktkopplung für Unternehmen und Hausverwaltungen mit eigener Beschaffung?

Für Unternehmen und Hausverwaltungen, die ihre Energie über Spot- oder strukturierte Beschaffung einkaufen, sorgt die Marktkopplung für eine engere Verzahnung der europäischen Preisniveaus: Preisunterschiede zwischen Deutschland und Nachbarländern spiegeln in erster Linie tatsächliche Kapazitätsengpässe wider, nicht fehlenden Marktzugang. Das erklärt etwa, warum sich deutsche Day-Ahead-Preise bei ausreichender Kuppelkapazität an Frankreich oder die Niederlande angleichen, bei Netzengpässen aber deutlich abweichen können – ein Effekt, der bei der Bewertung von Beschaffungsstrategien und der Einordnung von Preisspitzen relevant ist.

Wie hat sich die Marktkopplung 2025/2026 weiterentwickelt?

Mit der Umstellung des europäischen Day-Ahead-Handels auf Viertelstundenprodukte im Oktober 2025 wurde die Marktkopplung feinkörniger: Preise und Kapazitätsallokation werden seither nicht mehr nur stündlich, sondern viertelstündlich berechnet, was Schwankungen aus Photovoltaik- und Windeinspeisung präziser abbildet. Für die Gebotszonenstruktur selbst – etwa die Frage, ob Deutschland langfristig in mehrere Preiszonen aufgeteilt wird – laufen weiterhin gesonderte politische und regulatorische Prüfungen, die von der eigentlichen Marktkopplungsmechanik zu unterscheiden sind.

Für die Praxis im Portfoliomanagement bedeutet die feinere zeitliche Auflösung, dass Preisprognosen und Beschaffungsentscheidungen präziser auf einzelne Viertelstunden statt ganzer Stunden ausgerichtet werden können – ein Vorteil vor allem für Unternehmen und Hausverwaltungen mit stark schwankendem Lastprofil oder eigener volatiler Erzeugung, deren Verbrauchs- und Einspeisespitzen sich oft nicht an Stundengrenzen orientieren.

Quellen & Verweise

  1. European Energy Exchange (EEX) — Glossary – Market Coupling. eex.com · Abruf

Häufige Fragen zu Marktkopplung (SDAC)

Ist Marktkopplung dasselbe wie SDAC?

SDAC ist die konkrete europaweite Umsetzung der Marktkopplung im Day-Ahead-Handel. Marktkopplung ist der übergeordnete Mechanismus, SDAC das aktuelle operative System mit rund 30 Übertragungsnetzbetreibern und über 60 Gebotszonen.

Warum unterscheiden sich Strompreise zwischen Ländern trotz Marktkopplung?

Preisunterschiede entstehen, wenn die grenzüberschreitende Übertragungskapazität zwischen zwei Gebotszonen nicht ausreicht, um den vollen Preisausgleich zu ermöglichen – dann spaltet der Algorithmus die Preise entsprechend der Engpasssituation.

Müssen Händler Kapazität für grenzüberschreitenden Handel separat buchen?

Nein, im gekoppelten Day-Ahead-Markt erfolgt die Kapazitätsallokation implizit als Nebenprodukt der Preisberechnung durch EUPHEMIA – eine getrennte Kapazitätsauktion ist dafür nicht nötig.

Welche Länder sind an SDAC beteiligt?

Praktisch alle EU-Mitgliedstaaten mit Strommarkt sowie Norwegen und weitere Nicht-EU-Nachbarländer, koordiniert über rund 30 Übertragungsnetzbetreiber in etwa 27 Ländern.

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