Energie-Glossar · S

Strommarktdesign

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Definition

Stand 04.09.2026: Die ersten StromVKG-Kapazitätsausschreibungen starten 2026, weitere Runden folgen 2027 und 2029. Der befristete Mechanismus adressiert die Versorgungslage 2031/32; ein umfassender Kapazitätsmarkt soll Bedarfe ab 2032 abdecken, seine Regeln sind für 2027 geplant. Die EEG-Novelle 2026 befindet sich im Gesetzgebungsverfahren.

Belegt durch:bundeswirtschaftsministerium.de 1bundesnetzagentur.de 2bundeswirtschaftsministerium.de 3

Strommarktdesign: Stand 04.09.2026

  1. 2026erste StromVKG-Ausschreibung; EEG-Novelle im Verfahren
  2. 2027weitere Ausschreibung; Regeln für Kapazitätsmarkt geplant
  3. 2029weitere StromVKG-Ausschreibung
  4. ab 2032umfassender Kapazitätsmarkt soll Bedarfe abdecken
StromVKG-Ausschreibungen und der geplante umfassende Kapazitätsmarkt sind zeitlich getrennte Instrumente.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Strommarktdesign

  • Energy-Only-Markt (EOM): Erlöse hängen ausschließlich von tatsächlich gelieferter Strommenge ab
  • Kapazitätsmarkt: vergütet auch die reine Vorhaltung gesicherter Erzeugungskapazität
  • Ab 2028 ist die Einführung eines technologieneutralen Kapazitätsmechanismus in Deutschland geplant
  • Ab 2026 muss die Marktprämie für erneuerbare Energien um ein Rückzahlungsinstrument bei Erlösen über dem Förderbedarf ergänzt werden
  • Ziel ist ein Marktdesign, das einen flexiblen Mix aus Kraftwerken, Speichern und steuerbaren Lasten unterstützt

Was bedeutet Strommarktdesign und wie funktioniert der heutige Energy-Only-Markt?

Strommarktdesign beschreibt die grundlegenden Regeln und Mechanismen, nach denen Erzeugung, Handel und Vergütung von Strom organisiert werden. Deutschland betreibt aktuell einen Energy-Only-Markt (EOM), in dem sich die Erlöse der Stromerzeuger ausschließlich nach der tatsächlich gelieferten Energiemenge richten – wer keinen Strom einspeist, erhält auch keine Vergütung, unabhängig davon, ob eine Kraftwerkskapazität grundsätzlich verfügbar wäre. Dieses Modell setzt Anreize, Kraftwerke möglichst effizient und bedarfsgerecht einzusetzen, stellt aber die Finanzierung von Kapazitäten infrage, die nur selten, aber in kritischen Situationen als Reserve gebraucht werden.

Was ändert sich mit der geplanten Einführung eines Kapazitätsmarkts ab 2028?

Mit der geplanten Einführung eines Kapazitätsmarkts ab 2028 soll künftig auch die reine Vorhaltung gesicherter Kraftwerkskapazität vergütet werden – unabhängig davon, ob diese Kapazität tatsächlich zur Stromproduktion genutzt wird. Ein Kapazitätsmarkt zahlt Erzeugern also dafür, dass sie im Bedarfsfall verlässlich einspringen können, selbst wenn sie über weite Teile des Jahres nicht am Netz sind. Die Bundesregierung plant dabei einen technologieneutralen Kapazitätsmechanismus, der nicht nur klassische Kraftwerke, sondern auch Batteriespeicher und steuerbare Lasten wie industrielle Verbraucher einbezieht und sich flexibel an künftige Entwicklungen des Stromsystems anpassen soll.

  • Energy-Only-Markt: Vergütung ausschließlich für tatsächlich gelieferten Strom
  • Kapazitätsmarkt: zusätzliche Vergütung für die reine Bereitstellung gesicherter Leistung
  • Technologieneutralität: Kraftwerke, Speicher und Lasten sollen gleichberechtigt teilnehmen können

Was ändert sich ab 2026 bei der Förderung erneuerbarer Energien?

Parallel zur Diskussion um den Kapazitätsmarkt verändert sich auch das Förderregime für erneuerbare Energien: Während heute eine gleitende Marktprämie den Ausbau von Wind- und Solaranlagen unterstützt, muss ab 2026 ein Fördersystem mit einem Rückzahlungs- beziehungsweise Rückforderungsinstrument eingeführt werden, das Erlöse oberhalb des tatsächlichen Förderbedarfs an die Allgemeinheit zurückführt. Dieser Baustein des Strommarktdesigns soll verhindern, dass Betreiber erneuerbarer Anlagen in Phasen hoher Marktpreise übermäßig von der bestehenden Förderung profitieren, ohne die grundsätzliche Investitionssicherheit für den weiteren Ausbau zu gefährden.

Was bedeutet der Umbau des Strommarktdesigns für Unternehmen?

Für Unternehmen mit erheblichem Stromverbrauch oder eigener Erzeugung ist der bevorstehende Umbau des Strommarktdesigns relevant, weil er langfristig sowohl die Kostenstruktur als auch die strategischen Möglichkeiten der Energiebeschaffung verändert. Ein Kapazitätsmarkt könnte etwa neue Erlösquellen für Unternehmen mit eigenen Erzeugungs- oder Speicheranlagen eröffnen, wenn diese als steuerbare Kapazität am Markt teilnehmen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Finanzierung eines Kapazitätsmarkts letztlich über Netzentgelte oder ähnliche Umlagen auf die Stromkosten aller Verbraucher umgelegt wird, sodass Unternehmen die weitere Ausgestaltung der Gesetzgebung – insbesondere zu Zeitpunkt, Finanzierungsmechanismus und Teilnahmebedingungen – im Rahmen ihrer mittel- bis langfristigen Energiestrategie im Blick behalten sollten.

International existieren unterschiedliche Ausprägungen von Kapazitätsmärkten, von zentralen Auktionsmodellen, bei denen der Staat oder ein zentraler Marktbetreiber die benötigte Gesamtkapazität ausschreibt, bis zu dezentralen Modellen, bei denen einzelne Lieferanten verpflichtet werden, ausreichend gesicherte Kapazität für ihre Kunden nachzuweisen. Deutschland orientiert sich bei der Ausgestaltung an internationalen Erfahrungen, etwa aus Frankreich oder Großbritannien, passt das Modell aber an die Besonderheiten des deutschen und europäischen Strommarkts an, insbesondere an die enge Verflechtung mit Nachbarländern über grenzüberschreitende Handelskapazitäten.

Quellen & Verweise

  1. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie — Grünes Licht für sichere Stromversorgung: Europäische Kommission genehmigt Ad-hoc-Kapazitätsmechanismus des StromVKG. bundeswirtschaftsministerium.de · Abruf
  2. Bundesnetzagentur — Ausschreibungen nach dem StromVKG. bundesnetzagentur.de · Abruf
  3. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie — Entwurf eines Gesetzes für einen planbaren, verlässlichen und kosteneffizienten Ausbau der erneuerbaren Energien (EEG-Novelle). bundeswirtschaftsministerium.de · Abruf

Häufige Fragen zu Strommarktdesign

Was ist der Unterschied zwischen Energy-Only-Markt und Kapazitätsmarkt?

Im Energy-Only-Markt werden Erzeuger nur für tatsächlich gelieferten Strom bezahlt. Ein Kapazitätsmarkt vergütet zusätzlich die reine Bereitstellung gesicherter Erzeugungskapazität, auch wenn diese nicht laufend genutzt wird.

Ab wann soll der Kapazitätsmarkt in Deutschland eingeführt werden?

Die Einführung eines technologieneutralen Kapazitätsmechanismus ist ab 2028 geplant.

Was ändert sich ab 2026 bei der Marktprämie für erneuerbare Energien?

Ab 2026 muss ein Fördersystem mit einem Rückzahlungsinstrument eingeführt werden, das Erlöse oberhalb des Förderbedarfs zurückführt.

Können auch Batteriespeicher am künftigen Kapazitätsmarkt teilnehmen?

Ja, der geplante Mechanismus soll technologieneutral sein und neben klassischen Kraftwerken auch Speicher und steuerbare Lasten einbeziehen.

Wie wirkt sich der Umbau des Strommarktdesigns voraussichtlich auf Unternehmen aus?

Er kann neue Erlösmöglichkeiten für Unternehmen mit eigener Erzeugung oder Speicherkapazität schaffen, dürfte aber auch die Finanzierung eines Kapazitätsmarkts über Umlagen auf die allgemeinen Stromkosten mit sich bringen.

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