Energie-Glossar · T

Terminmarkt

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Definition

Der Terminmarkt ist der Markt für standardisierte, langfristige Strom- und Gaslieferkontrakte (Futures, Forwards, Optionen) – börslich vor allem an der EEX – für Lieferungen von der nächsten Woche bis mehrere Jahre in die Zukunft.

Belegt durch:eex.com 1

Terminmarkt: Futures vs. Forwards

Futures (Börse)

HandelsplatzEEX Leipzig
Abwicklungzentrales Clearing
Ausfallrisikominimiert

Forwards (OTC)

Handelsplatzbilateral
Abwicklungindividuell verhandelt
Ausfallrisikodirektes Gegenparteirisiko
Am Terminmarkt werden Futures über die Börse mit zentralem Clearing gehandelt, Forwards dagegen bilateral im OTC-Handel.[1]

Die wichtigsten Informationen zu Terminmarkt

  • Handel von Lieferungen für die Zukunft: Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresprodukte (Cal)
  • Futures laufen über die Börse mit zentralem Clearing, Forwards werden bilateral (OTC) geschlossen
  • Grundlage dafür, dass Lieferanten Endkunden überhaupt Festpreise anbieten können
  • Preise spiegeln Markterwartungen, Brennstoff- und CO2-Kosten sowie Risikoprämien wider
  • Kehrseite der Absicherung: Bindung an das Preisniveau zum Abschlusszeitpunkt und Margin-Anforderungen

Wie funktioniert der Handel am Terminmarkt?

Am Terminmarkt vereinbaren zwei Parteien heute einen Preis für eine Energielieferung in der Zukunft. Terminkontrakte verpflichten beide Seiten: Der Verkäufer muss die festgelegte Menge liefern oder finanziell ausgleichen, der Käufer sie abnehmen und bezahlen – unabhängig davon, wie sich der Marktpreis bis zur Lieferung entwickelt. Genau darin liegt der Zweck: Beide Seiten tauschen Preisunsicherheit gegen Planungssicherheit.

Beim Handelsweg gibt es zwei Varianten: Futures werden über die Börse – in Europa vor allem die EEX in Leipzig – mit zentralem Clearing gehandelt. Eine Clearingstelle tritt zwischen Käufer und Verkäufer und minimiert das Ausfallrisiko der Gegenpartei. Forwards werden dagegen bilateral im OTC-Handel (over the counter) geschlossen, mit individuell verhandelten Konditionen, aber auch mit direktem Gegenparteirisiko.

Welche Produkte werden gehandelt?

Gehandelt werden standardisierte Lieferzeiträume und Lieferprofile. Beim Strom sind das vor allem Base-Produkte (konstante Lieferung rund um die Uhr) und Peak-Produkte (Lieferung in den Hochlastzeiten) für Wochen, Monate, Quartale und Kalenderjahre. Die Jahresbänder – sogenannte Cal-Produkte – werden mehrere Jahre im Voraus gehandelt; Quartals- und Monatsprodukte dienen der Feinanpassung des Portfolios.

Die Terminpreise spiegeln die Markterwartungen für den jeweiligen Lieferzeitraum wider: erwartete Brennstoff- und CO2-Kosten, den Kraftwerkspark, die Nachfrageentwicklung sowie Risikoprämien für die Übernahme von Preisunsicherheit. Sie sind damit keine Prognose im engeren Sinn, sondern der Preis, zu dem der Markt Risiken heute handelt.

Was bedeutet der Terminmarkt für Ihre Energiebeschaffung?

Für Lieferanten ist der Terminmarkt die Grundlage, um Endkunden überhaupt Festpreise anbieten zu können: Wer Ihnen heute einen festen Arbeitspreis für die nächsten zwei Jahre zusagt, sichert diese Mengen im Hintergrund über Terminprodukte ab. Auch die Konditionen, die Sie bei Ausschreibungen oder Vertragsverlängerungen erhalten, orientieren sich deshalb an den aktuellen Terminnotierungen – nicht an den tagesaktuellen Spotpreisen.

Eine typische Beschaffungsstrategie sichert einen Großteil der erwarteten Menge über Terminprodukte und deckt den Rest am Spotmarkt. Industrieunternehmen mit strukturierter Beschaffung kaufen ihre Tranchen überwiegend als Terminprodukte ein und nutzen die Terminkurve, um Einkaufszeitpunkte über mehrere Lieferjahre zu verteilen.

Welche Risiken sollten Sie kennen?

Die Absicherung hat ihren Preis: die Bindung an das Preisniveau zum Abschlusszeitpunkt. Wer sich in einer Hochpreisphase langfristig eindeckt, zahlt diese Preise auch dann, wenn der Markt später fällt. Terminmärkte glätten die Wirkung der Spotpreisvolatilität, nehmen aber niemandem die Entscheidung ab, wann und zu welchem Niveau gesichert wird – deshalb kombinieren viele Einkäufer Termingeschäfte mit zeitlicher Streuung über Tranchen.

Beim börslichen Handel kommen Margin-Anforderungen hinzu: Die Clearingstelle verlangt Sicherheitsleistungen, die bei starken Preisbewegungen kurzfristig erheblich steigen können. In der Energiekrise 2021/22 band das bei vielen Marktteilnehmern massiv Liquidität. Unternehmen ohne eigenen Börsenzugang betrifft das nur mittelbar – über die Bonitätsanforderungen und Preisaufschläge ihrer Lieferanten.

Quellen & Verweise

  1. European Energy Exchange (EEX) — Power Derivatives Market. eex.com · Abruf

Häufige Fragen zu Terminmarkt

Was ist der Unterschied zwischen Futures und Forwards?

Futures sind börsengehandelte, standardisierte Kontrakte mit zentralem Clearing – die Clearingstelle übernimmt das Ausfallrisiko der Gegenpartei. Forwards werden bilateral zwischen zwei Parteien geschlossen, sind flexibler in der Ausgestaltung, bergen aber ein direktes Gegenparteirisiko.

Warum orientieren sich Angebote meines Lieferanten am Terminmarkt und nicht am Spotpreis?

Ihr Lieferant muss die zugesagten Mengen für die künftige Lieferperiode selbst absichern – und das tut er am Terminmarkt. Ein Angebot für das Folgejahr basiert deshalb auf den aktuellen Year-Ahead-Notierungen; der heutige Spotpreis sagt darüber wenig aus.

Was sind Base und Peak?

Base bezeichnet eine konstante Stromlieferung über alle Stunden des Lieferzeitraums, Peak die Lieferung nur in den werktäglichen Hochlastzeiten. Aus beiden Standardprodukten lassen sich Lastprofile näherungsweise nachbilden; die Feinabstimmung erfolgt später am Spotmarkt.

Kann ich als Unternehmen direkt am Terminmarkt handeln?

Grundsätzlich ja, ein eigener Börsenzugang erfordert aber Zulassung, Clearing-Anbindung, Sicherheitsleistungen und Handels-Know-how. Für die meisten Unternehmen ist der praktikable Weg die strukturierte Beschaffung über einen Lieferanten, der die Termingeschäfte im Hintergrund abwickelt.

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