Energie-Glossar · C
Conditional VaR
Der Conditional Value at Risk (CVaR), auch Expected Shortfall genannt, gibt an, wie hoch der durchschnittlich erwartete Verlust ausfällt, wenn der Value at Risk (VaR) tatsächlich überschritten wird. Er ergänzt den VaR damit um eine Aussage über das Ausmaß von Extremverlusten, nicht nur über deren Eintrittswahrscheinlichkeit.
Die wichtigsten Informationen zu Conditional VaR
- CVaR wird auch als Expected Shortfall bezeichnet und ist eng mit dem Value at Risk (VaR) verwandt.
- VaR beantwortet 'Wie hoch ist der Verlust höchstens mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit', CVaR beantwortet 'Wie hoch fällt der Verlust im Schnitt aus, wenn es schlimmer kommt als der VaR'.
- CVaR gilt in der Risikotheorie als kohärentes Risikomaß, während der klassische VaR diese Eigenschaft nicht durchgängig erfüllt.
- In der Energiebeschaffung fließt CVaR in Portfolio- und Tranchenmodelle ein, um Tail-Risiken durch Preisspitzen abzubilden.
- Eine gesetzliche Pflicht zur CVaR-Berechnung besteht für Energieunternehmen nicht; die Kennzahl wird als Best-Practice-Instrument im Risikomanagement genutzt.
Was unterscheidet Conditional VaR vom klassischen Value at Risk?
Conditional VaR unterscheidet sich vom klassischen Value at Risk dadurch, dass er nicht nur eine Verlustschwelle benennt, sondern zusätzlich beziffert, wie hoch der Verlust im Durchschnitt ausfällt, wenn diese Schwelle überschritten wird.
Der Value at Risk beantwortet die Frage, welcher Verlust innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Er macht jedoch keine Aussage darüber, wie schwer die Verluste in den verbleibenden Fällen jenseits dieser Schwelle tatsächlich ausfallen können.
Genau hier setzt der CVaR an: Er berechnet den wahrscheinlichkeitsgewichteten Durchschnitt aller Verluste, die den VaR-Wert übersteigen, und liefert damit eine Aussage über das Ausmaß des Tail-Risikos im ungünstigsten Bereich der Verlustverteilung.
Warum gilt CVaR als aussagekräftiger für Extremrisiken?
CVaR gilt als aussagekräftiger, weil er als kohärentes Risikomaß die Eigenschaft der Subadditivität erfüllt: Das Risiko eines aus mehreren Positionen zusammengesetzten Portfolios wird dabei nie höher ausgewiesen als die Summe der Einzelrisiken – eine Eigenschaft, die der klassische VaR nicht durchgängig besitzt.
Zudem berücksichtigt CVaR explizit die Form der Verlustverteilung jenseits der VaR-Schwelle, während zwei Portfolios mit identischem VaR völlig unterschiedliche Tail-Risiken aufweisen können – eines mit moderaten, eines mit sehr hohen Verlusten im Extremfall. Nach den Erfahrungen der Finanzkrise 2007/2008, in der sich reine VaR-Modelle bei extremen Marktbewegungen als unzureichend erwiesen, hat die Bedeutung von CVaR im Risikomanagement spürbar zugenommen.
In der praktischen Anwendung wird CVaR meist ergänzend zum VaR berechnet, nicht als dessen Ersatz: Der VaR liefert eine kompakte Kennzahl für das Alltagsreporting, während der CVaR gezielt für Stresstests und die Bewertung seltener, aber schwerwiegender Verlustszenarien herangezogen wird.
Wie wird CVaR im Energie-Portfoliomanagement eingesetzt?
Im Energie-Portfoliomanagement wird CVaR eingesetzt, um Beschaffungsstrategien nicht nur anhand eines einzelnen Wahrscheinlichkeitswerts, sondern anhand des tatsächlichen Ausmaßes möglicher Extremverluste zu bewerten – etwa bei Preisspitzen an Spot- oder Terminmarkt infolge einer Dunkelflaute oder eines Angebotsschocks.
In Tranchenmodellen und der strukturierten Beschaffung fließt CVaR neben dem VaR in die Festlegung von Risikolimits ein: Anstatt eine offene Position ausschließlich am wahrscheinlichsten Szenario auszurichten, wird zusätzlich geprüft, wie hoch der Verlust im ungünstigen Tail-Bereich ausfallen könnte, bevor über Zeitpunkt und Umfang weiterer Beschaffungstranchen entschieden wird.
Welche Bedeutung hat CVaR für Unternehmen mit strukturierter Energiebeschaffung?
Für mittelständische Unternehmen mit strukturierten Lieferverträgen ist CVaR vor allem als Instrument ihres Energieeinkaufs- oder Risikoberaters relevant, nicht als eigene Rechengröße: Ein Beschaffungsdienstleister, der Tranchenmodelle oder Sondervertragsmodelle anbietet, nutzt CVaR-basierte Kennzahlen, um zu begründen, warum eine gestaffelte statt einer einmaligen Volleinstandsbeschaffung sinnvoll ist.
Für Unternehmen lohnt es sich, im Gespräch mit dem Energieberater oder -lieferanten gezielt nach der Risikokennzahl zu fragen, mit der Preis- und Mengenrisiken bewertet werden – und ob dabei neben dem VaR auch Tail-Risiken über CVaR berücksichtigt werden. Eine gesetzliche Pflicht zur Nutzung von CVaR besteht für Energieunternehmen nicht; anders als etwa im Bankensektor, wo Risikomaße regulatorisch stärker vorgegeben sind, handelt es sich hier um ein freiwilliges, aber zunehmend verbreitetes Best-Practice-Instrument.
Häufige Fragen zu Conditional VaR
Ist CVaR dasselbe wie Expected Shortfall?
Ja, beide Begriffe bezeichnen dieselbe Kennzahl: den erwarteten durchschnittlichen Verlust in den Szenarien, die jenseits der Value-at-Risk-Schwelle liegen.
Warum reicht der klassische VaR für Risikomanagement nicht aus?
Der VaR beziffert nur, welcher Verlust mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird, sagt aber nichts darüber aus, wie hoch der Verlust ausfallen kann, wenn diese Schwelle tatsächlich überschritten wird. Genau diese Lücke schließt der CVaR.
Müssen Energieunternehmen CVaR gesetzlich berechnen?
Eine spezifische gesetzliche Pflicht für Energieunternehmen ist nicht bekannt. CVaR wird als anerkanntes, aber freiwilliges Risikomaß im Portfolio- und Beschaffungsmanagement eingesetzt.
Wie hängt CVaR mit Tranchenmodellen zusammen?
In Tranchenmodellen hilft CVaR dabei, Risikolimits für einzelne Beschaffungstranchen festzulegen, indem nicht nur der wahrscheinlichste Preisverlauf, sondern auch das Ausmaß möglicher Extremverluste berücksichtigt wird.